Das japanische Wort „Dojo“ (道場) ist zu übersetzen als „Stätte des Do“, d.h. „Ort des Weges“. Hier trifft man sich zum Üben, und dieses Üben ist keine Reproduktion von Formen, Kraft- und Gymnastikübungen, sondern ein aktives Sich-Nach-Vorne-Bewegen von dem eigenen Standpunkt zu einem neuen Erkenntnismoment, in dem ich mich neu entdecke. Das Üben ist Lernen, das Lernen ist Wachsen. Alle im Dojo lernen, einige im Lernen lehren – die Person, die weiter vorn steht, zeigt den Weg: Sie ist „Sensei“ (wörtlich übersetzt „wer auf dem Weg vorne steht“) und trägt die Verantwortung des guten Gedeihens der Schule. Im Dojo geht es nur um Lernen und Üben, darin besteht die Freude.
Der Name „Shin-Gi-Tai“ bedeutet: Geist – Technik – Körper. Alle drei werden in gleichem Maße intensiv geübt. Der Geist fühlt und führt, die Technik modelliert den Kontakt, der Körper führt aus und trägt beide. Somit werden diese drei Elemente von Anfang an trainiert, poliert und gestärkt: Im Kampf muss der Körper elastisch, schnell und stark sein, um die Impulse des Geistes sofort und frei umzusetzen; die Technik muss fein und sicher sein, um die Energie aufzunehmen und sie zu steuern und der Geist muss ruhig und stabil bleiben, um weit zu schauen und entschlossen zu agieren.
Der Anfang (11.04.2011 – 31.12.2015): ShinGiTai Osnabrück im RASPO e.V.
Das Dojo „Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück“ entstand im Jahre 2011 anlässlich meines Arbeitsortswechsels im Herbst 2010. Mein Sensei, Shihan Carlos Molina, gab mir den Auftrag, ein Dojo in Osnabrück zu gründen, das er als Supervisor betreuen würde. Eine große Aufgabe, die ich nur dank seiner Unterstützung gewagt habe! „Sensei, wie soll ich das Dojo nennen?“ – „ShinGiTai! ShinGiTai Osnabrück“ Er selbst gab uns die große Ehre, denselben Namen seines Dojos zu führen, und wir bleiben ihm in der Lehre treu und in tiefer Freundschaft dankbar und eng verbunden.
Die Eröffnung des „Dojos“ gelang schnell dank der freundlichen Annahme meines Angebots, Karate, im SV Rasensport DJK von 1925 e. V. Osnabrück (RASPO) zu lehren. Die neue „Karate Abteilung“ öffnete mit fünf Schülern – unter denen noch einige dabei sind – mit dem Abteilungsnamen „ShinGiTai Osnabrück im RASPO e.V.“ unter der Supervision von Shihan Carlos Molina. Die erste Trainingsstunde erfolgte am 11.04.2011 um 17:00 Uhr in der kleinen Gymnastikhalle der Grundschule der Elisabeth-Siegel-Schule in Osnabrück. Die Trainingszeiten in dieser Halle und auf deren Wiese mit einem einfachen Bild von Mabuni als Kamisa werden wir nie vergessen. ShinGiTai Osnabrück ist mit einem guten Omen gestartet und hatte das Glück, von Anbeginn an eine engagierte, liebevolle und solidarische Gruppe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen um sich zu sammeln. Wir haben dort viel Freude gehabt!
Das Hausdojo (ab 13.10.2016): Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück e.V.
Was ist ein Dojo? Diese Frage reflektieren Karatekas ein Leben lang. Mein Dojo ist Carlos Dojo, mein Dojo ist das Hombu-Dojo „Yushukan“ in Osaka, mein Dojo ist in meinem Herzen, mein Dojo ist der Ort, wo ich regelmäßig hingehe, um auf meinem Weg vorwärts zu kommen. Jede lokale Karate-Do-Schule sehnt sich nach einem festen Ort des Übens, wo die Wände nur vom Ki, Studium, Erlebnissen, Freude, und eines Tages vielleicht auch von einem Stück der eigenen Geschichte imprägniert sind. Dieses Schicksal eines eigenen Dojos ergab sich auch für den ShinGiTai Osnabrück aus einem zufälligen (aber im Nachhinein als glücklich erkannten) Zusammenkommen von Notwendigkeiten und günstigen Situationen. Entscheidend war aber die Finanzierungsseite, die wir aus eigenen Kräften nie hätten tragen können. Die Sponsorin, sowie Gründungsmitglied und Honorarmitglied auf Lebenszeit ist meine Mutter, Frau Maria Biraghi, die heute mit ihren 96 Jahren immer noch die Kraft, den Wert und die Freude des Karate versteht und bewundert. Ihr Platz im Dojo beim Unterrichtzuschauen ist mit einem Sessel täglich abgesichert, gelegentlich ist sie immer noch dabei!
Das Bauen des Dojos, der Umzug aus dem gewohnten Bezirk und das Verlassen-Müssen von unseren Freunden im RASPO stellte ShinGiTai Osnabrück vor eine harte Probe, aus der wir aber gestärkt und strukturierter herausgekommen sind. Seitdem sind wir zu einem eigenständigen, registrierten Verein (e.V.) gewachsen unter dem Namen „Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück e.V.“. Das Dojo ist gewachsen, die erste Generation hat die Dan-Prüfungen vor Carlos Molina bestanden, die Gruppe hat sich inzwischen am neuen Ort mit neuen Generationen von motivierten Anfänger*innen erneuert, ein eigenes Logo aus dem Cover von Mabunis „Leere Hand – Vom Wesen des Budo-Karate“ (hrsg. von Carlos Molina, Chemnitz 2007), dessen Übersetzung ich betreute, erfreute alle, und viele Embukai und andere Events konnten wir anbieten, bis die Corona-Zeit Einschränkungen gebot. Auch aus dieser Zeit haben wir aber positive Anpassungen gefunden und uns neu auf die Grundlagen besinnen können, z.B. eine Vertiefung der Kihon und das Durchführen der Partnerübungen in Abstand. Einige neue Formen des Trainings haben sich als solch eine positive Entdeckung erwiesen, wie das Online-Kata-Training jeden Tag früh um 07:00 Uhr, dass wir weiterhin als regelmäßige feste Maile im Tagesablauf durchführen: Den Tag zusammen im Dojo zu starten erfüllt den Geist mit positiver Energie und Freude bis zum Abend!
Die Post-Corona-Zeit
Bei der ersten und der zweiten Corona-Welle mit bedingten Trainingsmöglichkeiten entstand noch mehr Lust auf Karate, auf die Lehrgänge in Berlin und in Europa, v.a. den Sommerjahreslehrgang am Anfang August, und auf den Besuch vom Hombu-Dojo Mabunis in Osaka. Wir sind sehr froh und dankbar, dass Carlos Sensei die ganze Pandemie-Zeit seine Schüler*innen mit regelmäßigen Online-Trainings von zu Hause aus zweimal die Woche getroffen, belehrt und nicht weniger begeistert hat als in Präsenz! Sein Ki seine Führungskraft und gleich unwiderstehliche Sympathie und gute Laune sprangen wahrlich aus dem Bildschirm heraus und erfüllten unser Dojo bzw. unsere in Dojos transformierten Wohnzimmer!
Die Pandemiezeit schloss 2021 mit einem runden Jubiläum, das wir erst im Sommer 2022 mit größtem Einsatz von Training, Prüfungen, Feier und besonderen Kulturbeiträgen (s. Bericht) honorieren durften: zehn Jahre Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück – das soll gebührend gefeiert werden!
Der Horizont ist heute vielversprechend: Als kleines Familiendojo bieten wir ein höchstqualitatives Training, nehmen sehr aktiv an den Angeboten des DSI um die Welt herum teil und organisieren auch selbst viele eigene Aktivitäten. Aber das Herz von all diesem Tun ist das stille, konzentrierte, unauffällige Training im Dojo: Das Dojo ist die Seele unseres Karate-Do!
Das Dojo Kun (Die Hausordnung des Dojos) beschreibt im Karate-Do die Ordnung der Seele – denn die Ordnung der Räumlichkeiten (Sauberkeit, Beitrag usw.) sowie die Ordnung des Interpersonellen (Respekt, Haltung, Höflichkeit usw.) soll eine Selbstverständlichkeit sein – und hängt meistens im Dojo aus. Eine neue Schule übernimmt von Hombu-Dojo auch das Dojokun. Sensei Kenwa Mabuni hat das Dojokun entfaltet und dazu das Godoshin (die fünf Regeln des Herzens) selbst entwickelt, die das Dojo-Kun erklären und ermöglichen. Ein gutes Training „kokoro kara“ (aus dem Herzen) trainiert das Godoshin und das Dojokun gleichermaßen intensiv und deutet im Training Sinn und Bedeutung beider Fundamente.
道場訓 DOJO KUN
Dōjōregeln
aus dem Hombu Dojo Yooshukan Mabunis
一、人格完成に努むること 人格
Hitotsu: jinkaku kansei ni tsutomuru koto JINKAKU
Zuerst: Bemühe dich um die Perfektion des Charakters! Charakter
人格
JINKAKU
Charakter
一、誠の道を守ること
Hitotsu: makoto no michi wo mamoru koto
Zuerst: Schreite den Weg der Wahrheit!
誠
MAKOTO
Ehrlichkeit
一、努力の精神を養うこと
Hitotsu: doryōku no seishin wo yashinau koto
Zuerst: Bemühe dich um Erfolg!
努力
DORYOKU
Ausdauer
一、礼儀を重んずること
Hitotsu: reigi wo omonzuru koto
Zuerst: Respektiere die Anderen!
礼儀
REIGI
Respekt
一、血気の勇を戒むること
Hitotsu: kekki no yū wo imashimuru koto
Zuerst: Verzichte auf Gewalt!
血気
KEKKI
Selbstkontrolle
五道心GODOSHIN
Die fünf Wege des Herzens
aus dem Hombu Dojo Yooshukan Mabunis
一、初心忘れるなかれ
Hitotsu, Shoshin Wasureru Nakare
Zuerst: Vergiss nie den Anfängergeist!
意志
ISHI
Entschlossenheit
一、礼儀怠るなかれ
Hitotsu, Reigi Okotaru Nakare
Zuerst: Vernachlässige nie Höflichkeit und Etikette!
道徳
DOTOKU
Sittlichkeit
一、努力怠るなかれ
Hitotsu, Doryoku Okotaru Nakare
Zuerst: Lasse niemals in Bemühen und Anstrengung nach!
発展
HATTEN
Entwicklung
一、常識かけるなかれ
Hitotsu, Joshiki Kakeru Nakare
Zuerst: Verliere nie den gesunden Menschenverstand
常識
JOSHIKI
gesunder Menschenverstand
一、和乱すなかれ
Hitotsu, Wa Midasu Nakare
Zuerst: Störe nie die Harmonie!
平和
HEIWA
Frieden
Im Hausdojo Shin-Gi-Tai in Osnabrück wird die Tradition des Karate ShitoRyu weitergeführt, wie sie in Japan praktiziert wird. In kleinen Gruppen und in familiärer Atmosphäre üben wir den Weg des Karate als Kampfkunst und als Lebensweg nach dieser traditionellen Lehre.
Mit gleichmäßigem Einsatz von Körper, Geist und Technik ist Aufgabe der Karateka diese Werte zu bewahren, weiterzugeben und zu vertiefen – mit dem Hauptziel, in jedem Alter, Geschlecht, Körper- und Lebensbedingung jeden Tag besser zu werden, die eigene Kraft zu entdecken, das eigene Potential zu entfalten und vor allem die Freude an diesem unendlichen Wachstumsprozess zu erleben und zu teilen. Nach dem Motto: nicht „Morgen besser als Heute“, sondern schon: „Heute besser als Gestern“!
Trainiert werden: Kihon (Grundübungen / Basistechniken), Kata (Formen = festgelegte Kampftechnikabfolgen gegen imaginäre Gegner), Bunkai (Analyse der Kata durch Partnerübungen) und Kumite (Anwendung der Techniken im Kampf).
Jede/r Interessierte ist zum kostenfreien PROBETRAINING herzlich eingeladen!
Der Einstieg ist jederzeit möglich!
(Bitte bequeme Bekleidung mitbringen)
PROBETRAINING:
Kinder mittwochs
18:00-19:00 Uhr
Erwachsene freitags
18:00-19:00 Uhr
Shin-Gi-Tai Kai Osnabrück e.V.
Kampfkunst-Schule des Shitoryu Karate-Do
Dojo Richterskamp 7, 49078 Osnabrück
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